Eine Reise durch 850 Jahre belegte Ortsgeschichte am Quellgebiet der Exter.
Der Flecken Alverdissen gehört zu den ältesten Ortschaften der Region. Das Gebiet am Quelllauf der Exter wurde bereits in der Zeit Karls des Großen (um 800 n. Chr.) besiedelt. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1151, als der Ort unter dem Namen „Alwerdessen“ in einem Verzeichnis des Herforder Stifts erscheint.
Damit blickt Alverdissen heute auf über 850 Jahre dokumentierte Geschichte zurück.
Im 12. Jahrhundert wurde Alverdissen durch die Grafen von Sternberg planmäßig nach dem typischen „Drei-Straßen-Schema“ als Stadt angelegt. Schon vor 1370 erhielt der Ort Stadtrechte.
Doch in einer Fehde im Jahr 1424 zwischen den Grafen von Lippe und Schaumburg wurde Alverdissen nahezu vollständig zerstört. Auch Burg und Kapelle fielen den Flammen zum Opfer, und vermutlich ging in diesem Zuge das Stadtrecht verloren.
Der Ort wurde jedoch zeitnah wieder aufgebaut und erhielt anschließend den Status eines Fleckens. Diese Bezeichnung führt Alverdissen bis heute – seit fast 600 Jahren.
Im Jahr 1613 erbte Graf Philipp – der jüngste Sohn von Graf Simon VI. – das Amt Alverdissen als Paragium. Damit wurde er Begründer der gräflichen Linie Lippe–Alverdissen.
Nachdem er zusätzlich die Grafschaft Holstein-Schaumburg erhielt, entstand 1648 die Grafschaft Schaumburg-Lippe. Philipp gilt somit auch als deren Begründer.
1812 erwarb die lippische Fürstin Pauline Schloss und Flecken Alverdissen zurück und machte ihn zum Amtssitz Sternberg.
1879–1969 war das Schloss Sitz des Amtsgerichts, später bis 2008 Außenstelle des Westfälischen Staatsarchivs. Heute befindet es sich in Privatbesitz und dient als Außenstelle des Standesamtes.
Die erste Erwähnung der Kirche stammt von 1511. Der heutige Bau entstand 1842/43. Das Mausoleum wurde 1723/24 errichtet und beherbergt neun Mitglieder des Hauses Lippe-Alverdissen.
1855 zerstörte ein Großbrand den östlichen Teil des Fleckens. 19 Häuser brannten nieder. Durch den Einsatz der Bevölkerung entstand der Bereich – heute „Neue Straße“ – rasch neu.
Alverdissen war jahrhundertelang ein reines Ackerbaudorf. Um 1930 zählte man etwa 100 wandernde Ziegler. Erst später entwickelte sich Industrie – insbesondere Zigarrenproduktion.
Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden 570 Vertriebene in Alverdissen ein neues Zuhause. Die Einwohnerzahl stieg auf etwa 1700.
Im Laufe der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verlor der Flecken jedoch verschiedene Einrichtungen, Behörden und Gewerbebetriebe – darunter auch die Möbel- und Zigarrenindustrie.
Trotzdem blieb die Bindung der Bevölkerung an ihre Heimat stets bestehen.
Heute erinnert das historische Privileg „Flecken“ an die einstige Bedeutung des Ortes. Die Bevölkerung pflegt weiterhin ein aktives Vereinsleben und eine starke Identität.
Auch wenn frühere wirtschaftliche Schwerpunkte nicht mehr vorhanden sind, bleibt Alverdissen ein lebendiger, geschichtlich geprägter Ortsteil von Barntrup – mit einer beeindruckenden, über 850-jährigen Historie.
* 18. Juli 1601 – ⚰ 10. April 1681 Gründer der Linie Schaumburg-Lippe. Jüngster Sohn von Simon VI. von Lippe. Ab 1613 Erbherr von Lipperode und Alverdissen.
* 1655 – ⚰ 1728 Gründer des älteren Hauses Schaumburg-Lippe. Regent von 1681–1728. Lebte in Bückeburg.
* 1723 – ⚰ 1787 Graf von Schaumburg-Lippe (1777–1787). Sohn von Friedrich Ernst zu Lippe-Alverdissen.
* 1555 in Alverdissen – ⚰ 1625 Bedeutender Historiker und Dichter, Professor in Helmstedt. Seine Werke wurden europaweit geschätzt.
* 1828 in Alverdissen – ⚰ 1890 Komponist, Dirigent und international bekannter Klavierpädagoge. Seine Klaviermethode verbreitete sich bis nach Amerika.
Ein mystischer Brunnen bei Alverdissen, an dem weiße Jungfern erscheinen sollen. Ein Wanderer, der dort nachts ein rotes Sieb und seltsame Erscheinungen sah, wurde später krank und starb.
In einem früheren Zwergenstein bei der „Helle“ half der Zwerg Anton einem Mann mit 200 Talern aus der Not – doch ein Jahr später war Anton verstorben, weshalb das Geld beim Mann bleiben durfte.